Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

BIP und Chemieproduktion 2013
Grafik: BIP und Chemieproduktion 2013

Gesamtwirtschaftliches Umfeld

Das globale Wachstum fiel im Jahr 2013 mit 2,1 % eher verhalten aus und bewegte sich geringfügig unter dem Niveau des Vorjahres. Europa insgesamt verzeichnete eine schwache Entwicklung angesichts von Konsolidierungszwängen öffentlicher Haushalte in Verbindung mit einem zurückhaltenden Konsum. Regional betrachtet ergab sich jedoch ein leicht differenziertes Bild. Westeuropa stagnierte angesichts eines Nullwachstums. Deutschland erzielte einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von lediglich 0,4 %, während die Wirtschaft der Länder Mittel- und Osteuropas mit 1,3 % leicht expandierte. In den Vereinigten Staaten wurde das Wachstumspotenzial, bedingt durch die wiederkehrenden Diskussionen über das Staatsbudget und damit verbundene automatische Ausgabenkürzungen, nicht vollständig ausgenutzt. Dennoch trug es zu einer Steigerung der Wirtschaftsleistung im NAFTA-Raum um 1,7 % bei. Aufgrund der Wachstumsschwäche in den Industrieländern zeigten auch die Schwellenländer eher verhaltene Zuwachsraten. Der chinesische Wirtschaftsraum expandierte um 7,3 %, gestützt durch Fördermaßnahmen zum Ausgleich einer vorübergehenden Schwächephase im zweiten Quartal. Die Entwicklung in Indien verlor vor dem Hintergrund schwächeren Konsums und schwindenden Geschäftsvertrauens an Dynamik, erreichte aber dennoch ein Plus von 4,6 %. Getrieben von steigenden Investitionen bei einem nur moderaten Zuwachs des Konsums expandierte die Volkswirtschaft in Brasilien um 2,5 %.

Die Ausschläge des Wechselkurses zwischen Euro und US-Dollar waren im Jahresverlauf 2013 weniger ausgeprägt als im vorangegangenen Jahr. In einem Umfeld expansiver Geldpolitik in beiden Währungsräumen, das zudem von extrem niedrigen Zinsen geprägt war, bewegte sich die US-amerikanische Währung – bei einem Startwert von 1,32 – bis zur Mitte des Jahres in einer Spanne von 1,28 bis 1,36 US-Dollar je Euro. Während die beschriebenen Rahmenbedingungen weitgehend unverändert blieben, setzte in der zweiten Jahreshälfte eine kontinuierliche Abwertung des US-Dollar ein, so dass zum Jahresende für einen Euro 1,38 US-Dollar gezahlt wurden – dies entspricht einem Wertverlust des US-Dollar von rund 4,5 % in 2013. Im Jahresdurchschnitt lag der Kurs bei 1,33 US-Dollar je Euro und damit über dem Vorjahreswert von 1,29 US-Dollar je Euro. Aufgrund der regionalen Aufstellung unseres Geschäfts wirkt sich ein schwächerer US-Dollar grundsätzlich eher belastend auf unsere Erträge aus. Zentralisierte Hedging-Aktivitäten begrenzen jene Auswirkungen, die nicht durch die Harmonisierung von Produktion und Absatz in gleichen Währungsräumen neutralisiert werden können.

Wechselkursentwicklung US-Dollar zu Euro
Grafik: Wechselkursentwicklung US-Dollar zu Euro

Die Rohstoffmärkte zeigten im Jahresverlauf ein sinkendes Preisniveau. Für uns sind insbesondere die Preise von petrochemischen Rohstoffen relevant, da diese einen wesentlichen Einfluss auf unsere Produktionskosten haben. Der Preis für unseren wichtigsten strategischen Rohstoff, Butadien, sank gegenüber der Vergleichsperiode insbesondere in der Mitte des Jahres signifikant. Erst im September ergab sich eine Bodenbildung. Der Preisverfall in Asien war zudem bis zum dritten Quartal deutlich stärker ausgeprägt als in den Europäischen und nordamerikanischen Märkten und führte dort in diesem Zeitraum zu einer Preisentwicklung zugunsten Asiens.

Chemische Industrie

Die gesamtwirtschaftlichen Vorgaben wirkten sich auch auf die Entwicklung der chemischen Industrie aus, deren Produktion um 3,5 % stieg. Schwerpunkt des Wachstums war der chinesische Wirtschaftsraum mit 8,3 %, während die Expansion in anderen Regionen etwas verhaltener ausfiel. Vor dem Hintergrund der weiterhin guten Situation in den Endmärkten des NAFTA-Raumes erhöhte sich die Produktion dort um 3,3 %. In Brasilien lag diese mit einem Plus von 1,7 % nur leicht über dem Vorjahreswert, während Westeuropa, wo die Abnehmerindustrien chemischer Vorprodukte von schwachen wirtschaftlichen Impulsen belastet waren, einen Rückgang um 0,2 % verzeichnete.

Entwicklung wichtiger Abnehmerbranchen

Im Vergleich zu den Vorjahren stieg die weltweite Produktion der Reifenindustrie in 2013 lediglich um 3,1 %. Schwerpunkt dieses Wachstums war mit einem Plus von 9,3 % der chinesische Wirtschaftsraum, getrieben von höheren Exporten in die USA nach dem Auslaufen von Strafzöllen. Im NAFTA-Raum sank die Produktion um 2,0 %. Die Entwicklung im Bereich der Erstausrüstung verlief weitestgehend entsprechend den Vorgaben der Automobilproduktion. Hinsichtlich der Ersatzreifen im Allgemeinen erwies sich der Bedarf außerhalb von Europa als robust. Im Marktsegment der Ersatzreifen für schwere Nutzfahrzeuge ergab sich im NAFTA-Raum ein negativer Nachfrageverlauf, während dieser für Europa und Brasilien positiv ausfiel.

Die globale Produktion von Automobilen wuchs 2013 mit 2,7 % deutlich langsamer als im Vorjahr mit 4,9 %. Der Wachstumsschwerpunkt lag dabei mit 12,0 % im chinesischen Wirtschaftsraum, der die Expansion um insgesamt 4,0 % in der Region Asien deutlich unterstützte. Eine sehr schwache Entwicklung zeigte hingegen Indien mit einem Rückgang um 12,6 %. Zuwachsraten ergaben sich auch in Lateinamerika mit 7,5 % und im NAFTA-Raum mit 4,7 %. Demgegenüber zeigte sich die Autoherstellung in Westeuropa vor dem Hintergrund der Sanierung öffentlicher Haushalte und des Abbaus von Schulden in weiten Teilen des Euroraums weiterhin schwach und schrumpfte um 2,3 %.

Im Bereich der Agrochemikalien stieg die weltweite Produktion aufgrund einer weiterhin hohen Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen für Nahrungsmittel, Futter und Biotreibstoff um 3,4 %. Im Vergleich zu einem dürrebedingt schwachen Vorjahr nahm der Ausstoß im NAFTA-Raum um 7,3 % zu. Während Lateinamerika ein Plus von 2,5 % vorwies, entwickelte sich Asien analog zum Gesamtmarkt mit einem Zuwachs von 3,5 %. In Westeuropa hingegen sank die Produktion leicht um 0,5 %.

Die Bauindustrie erreichte ein globales Wachstum von 2,6 %. Insbesondere der chinesische Wirtschaftsraum entwickelte sich mit einem Plus von 8,8 % getrieben von Infrastrukturprojekten positiv. Gegenüber einem krisenbedingt schwachen Vorjahr wuchs die Baukonjunktur im NAFTA-Raum trotz der Kürzungen öffentlicher Budgets um 3,1 %, wobei sich insbesondere der Wohnungsbau robust zeigte. Auch in Lateinamerika expandierte der Bausektor um 2,9 %. Europa hingegen litt weiterhin unter den Folgen der Finanz- und Staatsschuldenkrise, so dass unter anderem in Westeuropa die Bauindustrie um 1,3 % schrumpfte. Stärker noch fiel mit 5,8 % der Rückgang in Mittel- und Osteuropa aus.

Entwicklung wichtiger Abnehmerbranchen 2013
 
Reale Veränderung
gegenüber Vorjahr ( %)
Hochschätzung
Reifenindustrie Automobil-industrie Agro-
chemikalien
Bauindustrie
         
Amerika – 0,2 5,3 4,5 3,1
NAFTA – 2,0 4,7 7,3 3,1
Lateinamerika 5,0 7,5 2,5 2,9
EMEA – 0,6 – 2,4 1,8 – 1,2
Deutschland – 0,2 – 1,7 – 4,1 – 1,0
Westeuropa – 4,1 – 2,3 – 0,5 – 1,3
Mittel-/Osteuropa 4,6 0,9 7,4 – 5,8
Asien/Pazifik 5,8 4,0 3,5 5,7
Welt 3,1 2,7 3,4 2,6