Wertmanagement und Steuerungssystem

Wertmanagement und Steuerungssystem
 
    2009 2010 2011 2012 2013
             
EBITDA vor Sondereinflüssen Mio. € 465 918 1.146 1.223 735
EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen % 9,2 12,9 13,1 13,4 8,9
Capital Employed Mio. € 3.475 3.750 4.784 5.442 4.969
ROCE % 5,9 17,0 17,2 15,6 5,8
Umschlagdauer Vorräte (DSI) Tage 55,1 53,7 60,1 64,7 58,0
Forderungslaufzeit Debitoren (DSO) Tage 47,0 46,3 49,9 47,4 47,8
Nettofinanzverbindlichkeiten Mio. € 794 913 1.515 1.483 1.731
Net Debt Ratio   1,7x 1,0x 1,3x 1,2x 2,4x
Investitionsquote % 6,8 7,4 8,0 8,1 8,1
Vorjahreswerte angepasst.

Um unsere strategischen Ziele zu erreichen, benötigen wir konkrete Kennzahlen, anhand derer wir das Ergebnis unserer Maßnahmen messen können. Basis hierfür ist ein zuverlässiges und verständliches Finanz- und Controlling-Informationssystem. Wir arbeiten kontinuierlich daran, die Informationen zu verbessern, die von den Group Functions Accounting und Controlling in Form einer konsistenten Berichterstattung von Planungs-, Erwartungs- und Ist-Daten bereitgestellt werden.

Unser Erfolg spiegelt sich im Wesentlichen in der Ertragskraft wider. Entsprechend ist unser Steuerungssystem konsequent auf die Steuerung der Ertragskraft ausgerichtet.

Ertragskraft

Die zentrale Kennzahl zur Steuerung der Ertragskraft auf Konzernebene und für die einzelnen Segmente ist das EBITDA (Ergebnis der Betriebstätigkeit vor Zinsen, Ertragsteuern und Abschreibungen) vor Sondereinflüssen. Es errechnet sich aus dem EBIT vor Abschreibungen auf Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte ohne Berücksichtigung von Sondereinflüssen. Sondereinflüsse sind Effekte, die ungewöhnlich in ihrer Art oder in ihrer Höhe sind. Hierzu können außerplanmäßige Abschreibungen, Aufwendungen im Zusammenhang mit Restrukturierungen, Aufwendungen für die Konzeption und Umsetzung von IT-Projekten sowie Portfolioaufwendungen zählen. Von Dritten gewährte Zuwendungen für den Erwerb oder den Bau von Sachanlagen werden unter Anwendung der Bruttomethode abgegrenzt. In diesem Zusammenhang werden über die Bruttoabschreibungen hinaus bei der Ermittlung des EBITDA vor Sondereinflüssen keine weiteren Bereinigungen vorgenommen.

Jede operative Entscheidung oder Leistung wird kurz- und langfristig daran gemessen, wie nachhaltig sie das EBITDA vor Sondereinflüssen beeinflusst. Im Rahmen des jährlichen Budget- und Planungsprozesses werden Zielvorgaben für diese Messgröße des Unternehmenserfolgs ermittelt; diese finden Eingang in die Bemessung der variablen Einkommenskomponenten der Mitarbeiter (siehe dazu auch das Kapitel „Mitarbeiter“, das Bestandteil dieses Lageberichts ist). Wir verwenden das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA als zentrale Steuerungsgröße, da sich auf dieser Basis eine Entwicklung über mehrere Berichtsperioden besser beurteilen lässt. Von den im Berichtsjahr angefallenen Sondereinflüssen von 381 Mio. € entfielen 270 Mio. € auf nicht EBITDA-wirksame außerplanmäßige Abschreibungen. Hiervon ergaben sich wiederum 257 Mio. € im Rahmen von Werthaltigkeitsprüfungen auf Ebene der Business Units. Die EBITDA-wirksamen Sondereinflüsse von 111 Mio. € resultierten überwiegend aus Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Programm „Advance“. Die Verteilung auf die einzelnen Segmente ergibt sich aus den Erläuterungen im Abschnitt „Segmentdaten“.

Reine Erlösgrößen wie zum Beispiel die Umsatzerlöse sind keine Steuerungsgrößen unseres Konzerns, da sie uns keine unmittelbaren Aussagen zur Ertragskraft erlauben. Volatile Einstandspreise für Rohstoffe sind ein wesentliches Kennzeichen unserer Industrie. Unterjährig schwankende Rohstoffpreise wirken sich auf Verkaufspreise aus. Dies beeinflusst die Höhe der Umsatzerlöse, lässt jedoch die für die Ertragskraft entscheidenden Margen weitgehend unberührt. Eine Zielformulierung für Umsatzwerte unterbleibt daher sowohl in der kurz- als auch in der mittelfristigen Perspektive.

Unternehmensspezifische Frühindikatoren

Frühindikatoren dienen dazu, wesentliche Veränderungen der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage rechtzeitig zu erkennen und angemessene Maßnahmen einzuleiten.

Unser jährlicher Budget- und Planungsprozess liefert als Ausgangsbasis für die Unternehmenssteuerung die Eckwerte der Ertragskraft sowie der Innenfinanzierung des Konzerns. Diese Informationen werden unter anderem bei Finanzierungs- und Investitionsentscheidungen verwendet. Um sicherzustellen, dass veränderte Markt- und Wettbewerbsbedingungen in den Steuerungsentscheidungen zeitnah verarbeitet werden, werden zweimal im Jahr operative Erwartungsrechnungen, sogenannte Forecasts, erstellt, um das jahresbezogene Budget und die darauf basierenden Eckwerte der Konzernsteuerung zu aktualisieren. Darüber hinaus werden für die Eckwerte der Ertragskraft regelmäßig Erwartungsrechnungen erstellt.

Für Budgetierung und Forecasts werden bestimmte Parameter zentral vorgegeben und einheitlich verwendet, da sie großen Einfluss auf die Ausprägung der Eckwerte haben. Eine wesentliche Rolle kommt strategischen Rohstoffen zu, wie zum Beispiel Butadien. Die laufende Entwicklung der Beschaffungspreise hat vor dem Hintergrund der zeitnahen Anpassung der Verkaufspreise einen hohen Stellenwert. Auch die im Zeitablauf regional unterschiedliche Verfügbarkeit von Rohstoffen kann Bedeutung erlangen. Aufgrund unserer regional diversifizierten Produktionsstätten und Absatzmärkte beeinflusst ferner der Verlauf der Wechselkurse die aus der Umsatz- und Kostenentwicklung resultierende Ertragskraft, mit entsprechender Rückwirkung auf Preisgestaltung und Absicherungsstrategien. Des Weiteren werden laufend aktualisierte Wachstumsprognosen von Kundenindustrien und Absatzregionen herangezogen, um Absatz- bzw. Investitionsentscheidungen vorzubereiten und zu prüfen.

Rentabilität

Der Return on Capital Employed (ROCE) ist als Messgröße für die Rentabilität auf Konzernebene implementiert und gibt Aufschluss darüber, wie effizient wir mit dem eingesetzten Kapital umgehen. Dies macht ihn beispielsweise zu einem wichtigen Kriterium bei Investitionsentscheidungen.

Grafik: Return on Capital Employed (ROCE)

Die zinsfreien Verbindlichkeiten setzen sich aus den Rückstellungen ohne Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen, den Ertragsteuerschulden, den Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen und den sonstigen nicht finanziellen Verbindlichkeiten zusammen. Wir nutzen daneben eine vereinfachte Variante des ROCE, den sogenannten Business-ROCE, um den Erfolg unserer Geschäftseinheiten zu beurteilen.

Kapitalkosten

Die Fremdkapitalkosten errechnen sich aus dem sogenannten risikolosen Zins, d. h. in unserem Fall aus der Rendite einer langfristigen deutschen Staatsanleihe, zuzüglich eines Risikoaufschlags für Industrieunternehmen in der gleichen Risikokategorie wie LANXESS. Die Eigenkapitalkosten spiegeln die Renditeerwartungen der Investoren an eine Investition in LANXESS Aktien wider. Aufgrund des gegenüber dem Erwerb risikoloser Staatsanleihen mit dem Aktienerwerb verbundenen höheren Risikos fordern Eigenkapitalinvestoren eine Risikoprämie. Diese sogenannte Market Risk Premium wird aus der langfristigen Überrendite eines Aktieninvestments gegenüber einer Investition in risikolose Staatsanleihen ermittelt und durch den Beta-Faktor korrigiert, der das relative Risiko eines Investments in die LANXESS Aktie im Verhältnis zum Gesamtmarkt zum Ausdruck bringt.

Während sich der ROCE im Vorjahr mit 15,6 % deutlich über unserem vergleichsrichtig ermittelten gewichteten Kapitalkostensatz befand, lag dieser im Geschäftsjahr 2013 mit 5,8 % darunter.

Kapitalverwendung

Um unser Working Capital auf operativer Ebene zu optimieren, nutzen wir die Kennzahlen DSI und DSO (Lagerreichweite bzw. Days of Sales in Inventories und Forderungslaufzeit bzw. Days of Sales Outstanding). Hier wird der Vorrats- bzw. Forderungsbestand im Verhältnis zum Umsatz des vergangenen Quartals gezeigt. Im Geschäftsjahr 2013 lag der DSI bei 58,0 Tagen (Vorjahr: 64,7 Tage) und der DSO bei 47,8 Tagen (Vorjahr: 47,4 Tage).

Unsere Investitionen in Sachanlagen unterliegen einer strikten Kapitaldisziplin und werden konsequent auf jene Produktbereiche ausgerichtet, die die größten Erfolgspotenziale aufweisen. Dabei priorisieren wir Investitionsprojekte auf Basis finanzieller Kennziffern wie Rückflusszeit, Kapitalwert und ROCE. Für ausführlichere Angaben zu den Investitionsleitlinien verweisen wir auf den vorstehenden Abschnitt „Investitionsstrategie“.

Verschuldung

Die Net Debt Ratio, die wir ausschließlich auf Konzernebene verwenden, ist definiert als das Verhältnis von Nettofinanzverbindlichkeiten zum EBITDA vor Sondereinflüssen. Die Nettofinanzverbindlichkeiten ergeben sich aus der Gesamtsumme der kurz- und langfristigen finanziellen Verbindlichkeiten abzüglich Zahlungsmitteln, Zahlungsmitteläquivalenten und liquiditätsnaher finanzieller Vermögenswerte. Die finanziellen Verbindlichkeiten laut Bilanz werden zuvor noch um die Verbindlichkeiten aus Zinsabgrenzungen gekürzt. Die Net Debt Ratio erhöhte sich aufgrund der schwächeren Ergebnisentwicklung im Berichtsjahr sowie der höheren Nettofinanzverbindlichkeiten zum 31. Dezember 2013 auf 2,4 nach einem Wert von 1,2 zum Vorjahresstichtag. Unsere Nettofinanzverbindlichkeiten stiegen um 248 Mio. € auf 1.731 Mio. €.

Nettofinanzverbindlichkeiten
 
in Mio. € 2009 2010 2011 2012 2013
           
Langfristige finanzielle Verbindlichkeiten 1.462 1.302 1.465 2.167 1.649
Kurzfristige finanzielle Verbindlichkeiten 94 176 633 167 668
abzüglich:          
Verbindlichkeiten aus Zinsabgrenzungen – 47 – 41 – 55 – 54 – 53
Zahlungsmittel – 313 – 160 – 178 – 386 – 427
Liquiditätsnahe finanzielle Vermögenswerte – 402 – 364 – 350 – 411 – 106
  794 913 1.515 1.483 1.731