Schätzungsunsicherheiten und Ermessensspielräume

Die Erstellung des Konzernabschlusses nach IFRS bedingt die Auswahl von Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden sowie die Einbeziehung von zukunftsbezogenen Annahmen und Schätzungen, die sich auf den Wertansatz der aktivierten Vermögenswerte und passivierten Schulden, der Erträge und Aufwendungen sowie der Eventualverbindlichkeiten auswirken können.

Alle getroffenen Annahmen und Schätzungen im Konzernabschluss basieren auf den Erwartungen des Managements. Erkenntnisse, die zu Schätzungsänderungen führen, werden laufend berücksichtigt und können gegebenenfalls zu einer Anpassung der Buchwerte der betroffenen Vermögenswerte und Schulden führen.

Nachfolgend werden die Annahmen und Schätzungen erläutert, die einen wesentlichen Einfluss auf die Wertansätze der Vermögenswerte und Schulden im LANXESS Konzern haben können.

Der LANXESS Konzern führt mindestens einmal jährlich für seine zahlungsmittelgenerierenden Einheiten einen Werthaltigkeitstest durch und ermittelt anlassbezogen den erzielbaren Betrag (vgl. Abschnitt „Vorgehensweise und Auswirkungen der weltweiten Werthaltigkeitsprüfungen“). Die Ermittlung basiert auf der Prognose zukünftiger Zahlungsströme, die auf vernünftigen und vertretbaren Annahmen aufbaut und die zum Zeitpunkt der Ermittlung die beste vom Management vorgenommene Einschätzung der ökonomischen Rahmenbedingungen repräsentiert. Folglich haben die Erwartungen des Managements über zukünftige Zahlungsströme indirekt Auswirkung auf die Bewertung von Geschäfts- oder Firmenwerten und anderen Vermögenswerten.

Bei den im Geschäftsjahr 2013 durchgeführten Werthaltigkeitsprüfungen von Vermögenswerten können die getroffenen Annahmen und Schätzungen von den tatsächlichen Gegebenheiten in späteren Perioden abweichen, woraus sich ein Wertänderungsbedarf ergeben könnte. Den jährlichen Werthaltigkeitsprüfungen liegt ein Diskontierungssatz nach Steuern von 7,9 % (Vorjahr: 7,9 %) und den Werthaltigkeitsprüfungen zum Abschlussstichtag ein Diskontierungszinssatz nach Steuern von 7,8 % (Vorjahr: 7,9 %) zugrunde. Wachstumsraten zur Extrapolation des letzten Planungsjahres werden nicht berücksichtigt.

Die Prüfung der Werthaltigkeit zahlungsmittelgenerierender Einheiten auf Anhaltspunkte, dass Vermögenswerte wertgemindert sein könnten, führte im Rahmen der jährlichen Überprüfungen im Segment Performance Polymers für die zahlungsmittelgenerierende Einheit Keltan Elastomers zu einem Wertminderungsbedarf in Höhe von 174 Mio. €. Durch diese Wertminderung wurden die Buchwerte der zahlungsmittelgenerierenden Einheit Keltan Elastomers auf ihren beizulegenden Zeitwert abzüglich Kosten des Abgangs vermindert.

Das Keltan-Geschäft wurde in 2011 von der Royal DSM N.V., Niederlande, übernommen und in die bestehenden Aktivitäten der damaligen Business Unit Technical Rubber Products integriert. Zum 1. Januar 2013 erfolgte eine Aufteilung der Business Unit Technical Rubber Products in Keltan Elastomers und High Performance Elastomers. Die Geschäftstätigkeit der Business Unit Keltan Elastomers besteht aus der Produktion und dem Vertrieb von Ethylen-Propylen-Dien-Monomer-Synthesekautschuken (EPDM).

Hervorgerufen durch erwartete vorübergehende Überkapazitäten in den nächsten Geschäftsjahren sowie durch die zunehmende Schiefergasgewinnung in den USA und die damit einhergehenden Kostenvorteile für dort ansässige Produzenten werden Veränderungen des Markt- und Wettbewerbsumfelds für das Geschäft der zahlungsmittelgenerierenden Einheit Keltan Elastomers prognostiziert. Aufgrund dessen wurde für die Herleitung eines beizulegenden Zeitwerts abzüglich Kosten des Abgangs der sich nach der 5-Jahres-Planung ergebende Endwert über einen Betrachtungszeitraum von fünf Jahren untersucht und die hieraus gewonnenen Erkenntnisse in der Bewertung mit berücksichtigt. Der sich aus diesen Einschätzungen ergebene Wertminderungsaufwand wurde in der Gewinn- und Verlustrechnung unter den sonstigen betrieblichen Aufwendungen erfasst. Die Wertminderung betrifft den Geschäfts- oder Firmenwert in Höhe von 11 Mio. €, sonstige immaterielle Vermögenswerte in Höhe von 16 Mio. € sowie Sachanlagen in Höhe von 147 Mio. €.

Zum Abschlussstichtag wurden für die zahlungsmittelgenerierenden Einheiten High Performance Elastomers im Segment Performance Polymers und Rubber Chemicals im Segment Performance Chemicals aufgrund des herausfordernden Wettbewerbsumfelds und der geänderten Einschätzung der Wachstumserwartungen zusätzliche Werthaltigkeitsprüfungen durchgeführt.

Die Geschäftstätigkeit der zahlungsmittelgenerierenden Einheit High Performance Elastomers besteht aus der Produktion und dem Vertrieb von Synthesekautschuken mit speziellen technischen Eigenschaften für die verarbeitende Industrie, insbesondere im Automobil- und Baubereich wie auch im Maschinenbau. Die Prüfung der Werthaltigkeit zum Abschlussstichtag führte zu einem Wertminderungsaufwand in Höhe von 54 Mio. €, so dass die Restbuchwerte auf den beizulegenden Zeitwert abzüglich Kosten des Abgangs gemindert wurden. Der Wertminderungsaufwand wurde in der Gewinn- und Verlustrechnung unter den sonstigen betrieblichen Aufwendungen erfasst. Die Wertminderung betrifft immaterielle Vermögenswerte in Höhe von 1 Mio. € sowie Sachanlagen in Höhe von 53 Mio. €.

Die Geschäftstätigkeit der zahlungsmittelgenerierenden Einheit Rubber Chemicals besteht aus der Produktion und dem Vertrieb von Kautschukchemikalien mit speziellen technischen Eigenschaften im Wesentlichen für Hersteller von Reifen und technischen Gummiprodukten. Die Prüfung der Werthaltigkeit zum Abschlussstichtag führte zu einem Wertminderungsaufwand in Höhe von 29 Mio. €, so dass die Restbuchwerte auf den beizulegenden Zeitwert abzüglich Kosten des Abgangs vermindert wurden. Der Wertminderungsaufwand wurde in der Gewinn- und Verlustrechnung unter den sonstigen betrieblichen Aufwendungen erfasst. Die Wertminderung betrifft immaterielle Vermögenswerte in Höhe von 5 Mio. € sowie Sachanlagen in Höhe von 24 Mio. €.

Die jährliche Prüfung der Werthaltigkeit der wesentlichen Geschäfts- oder Firmenwerte erfolgte nach dem Verfahren des beizulegenden Zeitwerts abzüglich Kosten des Abgangs. Hierbei wurden die um Währungsumrechnungsdifferenzen fortgeschriebenen Geschäfts- oder Firmenwerte aus Vorjahren einer Werthaltigkeitsprüfung unterzogen. Hierzu gehört insbesondere der in brasilianischen Real geführte Geschäfts- oder Firmenwert der Geschäftseinheit Performance Butadiene Rubbers aus der in 2008 erfolgten Petroflex-Akquisition in Höhe von 80 Mio. € (Vorjahr: 95 Mio. €). Der Buchwert des Goodwills beträgt im Vergleich zum beizulegenden Zeitwert der zahlungsmittelgenerierenden Einheit Performance Butadiene Rubbers abzüglich Kosten des Abgangs ca. 7 % (Vorjahr: ca. 6 %). Die Prognosen umfassen einen Planungszeitraum von fünf Jahren.

Der im Geschäftsjahr 2013 erworbene Geschäfts- oder Firmenwert aus der Akquisition der PCTS Specialty Chemicals Pte. Ltd., Singapur, in Höhe von 2 Mio. € wurde der Business Unit Material Protection Products im Segment Performance Chemicals zugeordnet und zum Abschlussstichtag auf Werthaltigkeit geprüft.

Der Geschäfts- oder Firmenwert der zahlungsmittelgenerierenden Einheit Keltan Elastomers wurde in Höhe von 11 Mio. € vollständig wertgemindert. Hierzu wird auf die vorhergehenden Angaben verwiesen.

Bei der Überprüfung der Werthaltigkeit der restlichen Geschäfts- oder Firmenwerte wurde kein Wertminderungsbedarf festgestellt. Weder eine Erhöhung des Diskontierungszinssatzes um 1 %-Punkt noch eine Verminderung der zukünftigen Zahlungsströme um 10 % hätten zu einer außerplanmäßigen Abschreibung weiterer Geschäfts- oder Firmenwerte geführt.

Auch der Ansatz und die Bewertung von Rückstellungen werden durch die getroffenen Annahmen über die Eintrittswahrscheinlichkeit, die zeitliche Verteilung, den zugrunde gelegten Abzinsungsfaktor sowie die absolute Höhe des Risikos beeinflusst. Der LANXESS Konzern hat für den Konzernabschluss 2013 eine gemäß IFRS vorgeschriebene Sensitivitätsanalyse für alle Rückstellungen durchgeführt. Im Rahmen dieser Analyse wurden die möglichen Effekte aus der Variation der verwendeten Parameter ermittelt. Insbesondere wurden die prognostizierte Eintrittswahrscheinlichkeit, der Diskontierungszinssatz sowie die absolute Höhe des Risikos variiert. Die Ergebnisse der Sensitivitätsanalyse verdeutlichten, dass die untersuchten Variationen der oben beschriebenen Annahmen keinen wesentlichen Einfluss auf die Höhe der sonstigen Rückstellungen im LANXESS Konzernabschluss haben. Hinsichtlich der Sensitivitätsanalysen in Bezug auf Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen wird auf die unter Anhangangabe [13] gemachten Anmerkungen verwiesen.

Auch bei leistungsorientierten Versorgungssystemen sind versicherungsmathematische Berechnungen und Schätzungen unumgänglich. Der Abschnitt „Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen“ enthält Informationen über die Annahmen bezüglich der Bewertungsparameter, die für die versicherungsmathematischen Berechnungen und Schätzungen zugrunde gelegt wurden (vgl. Anhangangabe [13]).

Des Weiteren ist der LANXESS Konzern von einer Anzahl von Rechtsstreitigkeiten betroffen. Als ein international tätiges Chemieunternehmen ist der LANXESS Konzern im Rahmen seines normalen Geschäftsbetriebs behördlichen oder gerichtlichen Verfahren ausgesetzt und könnte es auch in Zukunft sein. Behördliche und gerichtliche Verfahren werfen in der Regel schwierige Sachverhalts- und Rechtsfragen auf und sind Unwägbarkeiten unterworfen. Der Ausgang von gegenwärtig anhängigen bzw. künftigen Verfahren kann nicht mit Sicherheit vorhergesagt werden. Es können z. B. aufgrund von gerichtlichen Entscheidungen zusätzliche Aufwendungen entstehen, die nicht oder nicht in vollem Umfang durch ausgewiesene Rückstellungen oder entsprechenden Versicherungsschutz abgedeckt sind sowie wesentliche Auswirkungen auf das Geschäft, die Ertragslage oder die Zahlungsströme des LANXESS Konzerns haben können.

Zudem unterliegen Steuersachverhalte gewissen Unsicherheiten hinsichtlich der Beurteilung durch Steuerbehörden. Auch wenn der LANXESS Konzern der Überzeugung ist, Steuersachverhalte korrekt und gesetzeskonform dargestellt zu haben, ist nicht auszuschließen, dass Steuerbehörden in Einzelfällen zu anderen Ergebnissen kommen können. Hierfür wurde eine entsprechende Risikovorsorge getroffen.

Weitere wesentliche Schätzungen betreffen die Bestimmung der Nutzungsdauern für immaterielle Vermögenswerte und Sachanlagen, die Einschätzung der Einbringlichkeit von Forderungen und sonstigen Vermögenswerten, die Bewertung von Vorräten sowie die Realisierbarkeit von Steuerforderungen und aktivierten latenten Steuern auf temporäre Buchungsunterschiede und steuerliche Verlustvorträge. Des Weiteren bestehen im Rahmen von Erstkonsolidierungen Schätzungsunsicherheiten und Ermessensspielräume bei der Ermittlung der beizulegenden Zeitwerte der erworbenen Vermögenswerte und der übernommenen Schulden.

Die Europäische Kommission hat am 18. Dezember 2013 ein Verfahren zur Überprüfung der Rechtmäßigkeit einzelner Regelungen des in Deutschland geltenden Gesetzes zur Förderung erneuerbarer Energien in der Fassung des Jahres 2012 eröffnet. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird eine Belastung aus dem Beihilfeverfahren als nicht wahrscheinlich angesehen. Im Falle einer nachteiligen Entscheidung könnten sich für LANXESS jedoch Nachzahlungen erlassener EEG-Umlagen im mittleren zweistelligen Mio.-€-Bereich ergeben.

Bis zum Zeitpunkt der Genehmigung zur Veröffentlichung des Konzernabschlusses sind keine Erkenntnisse bekannt geworden, die zu einer wesentlichen Veränderung der Schätzungen geführt haben.